Franz Heymann - ein aufrechter Sozialdemokrat

Veröffentlicht am 20.03.2010 in Regional

SozialdemokratInnen haben sich der Willkürherrschaft der Nationalsozialisten widersetzt; nicht wenige bezahlten dafür mit ihrem Leben. Wir wollen heute die Lebensgeschichte eines Genossen aufgreifen, die uns ins Mansfelder Land führt.

von Nadine Hampel, MdL

Am 12. Mai 1875 als Sohn eines Schuhmachers geboren, verlebte der Sozialdemokrat Franz Heymann seine Kindheit im Speckswinkel Nr. 11 in Sangerhausen. Es war eine harte Kindheit. Der Lohn des Vaters in der Schuhfabrik war kärglich, der frühe Tod der Mutter verschlimmerte die Lage zunehmend. Als bald auch der Vater verstarb, blieb Franz mit seinen Geschwistern als Vollwaise zurück. Trotz guter schulischer Leistungen konnte er nur die Volksschule besuchen und wurde Lehrling in der Feilenfabrik in Sangerhausen.

Seine Jugendjahre fielen in eine Zeit bedeutender gesellschaftlicher Veränderungen. Nach dem Auslaufen der Sozialistengesetze erstarkte die Arbeiterbewegung im Kampf gegen Monarchie und Diskriminierung durch das Dreiklassenwahlrecht. Auch Heymann wurde als Mitglied der SPD in Sangerhausen Teil dieser Bewegung. Schon als junger Arbeiter in der Feilenfabrik erlebte er hautnah Ausbeutung und Unterdrückung. Um sich den Dienst in der kaiserlichen Armee zu entziehen, unternahm er den Versuch nach Dänemark auszuwandern. Das Vorhaben scheiterte und er wurde zum Dienst in der Armee gezwungen. Danach kehrte er nach Sangerhausen zurück. Dort wohnte er im „Grünen Weg“, der heutigen Franz-Heymann-Straße und arbeitete wieder als Feilenhauer.

Um 1900 wurde er Mitglied der SPD. Im Oktober 1911 wurde er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, der er bis 1929 angehörte. Wiederum gegen seine politische Überzeugung musste Heymann im 1. Weltkrieg Fronteinsatz leisten. Nach seiner Rückkehr wurde er in den Stadtrat und später in den Provinziallandtag gewählt. Einige Jahre war er zudem Vorsitzender des Unterbezirksvorstandes der SPD.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden politische Gegner des Hitler-Regimes verfolgt, ihre Parteien und Organisationen verboten. In Sangerhausen brachten die Faschisten die Konsumgenossenschaft unter ihre Kontrolle. Heymann geriet so ins Visier der Gestapo. Die Verhöre trieben ihn zu einem Selbstmordversuch.

Im Sommer 1944 wurde Heymann wahrscheinlich bei der sog. „Aktion Gitter“ verhaftet, in Halle verhört und ohne Prozess ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Im Januar 1945 wurde er bei eisiger Kälte im Güterwaggon mit vielen anderen Mithäftlingen nach Buchenwald verlegt. Auf dem Transport dorthin erkrankte er und starb 70jährig in den ersten Märztagen des Jahres 1945. Die mutige Selbstbefreiung Buchenwalds konnte er nicht mehr erleben.

Heymann war ein aufrechter und mutiger Sozialdemokrat. Sein Leben lang hat er sich für die Rechte der Arbeiter eingesetzt und couragiert gegen die Faschisten gekämpft. Sein Einsatz war nicht für umsonst. Heute wollen wir an ihn als einen Sozialdemokraten erinnern, der sich Diktatur und Unterdrückung bis zum Tode tapfer widersetzte.

 

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