„Den unpolitischen Historiker kenne ich nicht“

Veröffentlicht am 20.03.2010 in Vermischtes

Der „Diktaturen-Streit“ um eine Lehrerfortbildungsveranstaltung von Naumann-Stiftung, Gedenkstättenstiftung (STGS) und Landeszentrale für politische Bildung (LPB) ließ im März die Wogen hoch schlagen. Der Stiftungsratsvorsitzende und Innenstaatssekretär Rüdiger Erben hatte Mitarbeitern der Stiftung und des Innenministeriums eine Teilnahme untersagt und das Veranstaltungskonzept scharf kritisiert. Dem blick.punkt stand er dazu Rede und Antwort.

das Gespräch führten Christian Weinert und Felix Peter, blick.punkt

Lieber Rüdiger. Bis zuletzt gab es Streitigkeiten über die Veranstaltung am 19. und 20. März im Roten Ochsen. Was hast Du zur Entschärfung beigetragen?

Ich habe mir vorgenommen nun selbst als Referent auf der Veranstaltung aufzutreten. Außerdem wurde ein hochrangigiger Vertreter der STGS ins Programm aufgenommen: Dr. Kai Langer, Leiter der Gedenkstätte in Marienborn, der zu beiden Diktaturen – NSDAP und SED – geforscht hat. Ich hatte zudem bereits zahlreiche Stellungnahmen von Wissenschaftlern und auch des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung mit zu Rate gezogen. Auf dieser Basis betrachte ich die Veranstaltung auch jetzt noch als wissenschaftlich unausgewogen.

Was hat Dich bewogen, selbst an der Veranstaltung teilzunehmen?

Ziel war eine konzeptionelle Veränderung der Veranstaltung. Es hat dann aber nichts mehr gebracht, sich wochenlang über ein Programm zu streiten, auf das man keinen Einfluss mehr hatte – schließlich hatten CDU und FDP im Kuratorium der LBP das Programm durchgestimmt. Da ein Boykott der Veranstaltung die Unausgewogenheit noch verschärft hätte, habe ich einen anderen Weg gesucht und dabei Rückendeckung vom Stiftungsrat bekommen.

In der Diskussion wurde auch der Ruf nach wissenschaftlicher Freiheit laut. Müsste das Thema nicht deutlich entpolitisiert werden?

Weder die STGS noch das Innenministerium sind ein Hort der Wissenschaft und Lehre und auf Grund des problematischen Veranstaltungskonzeptes habe ich mich als Vorsitzender bzw. Dienstvorgesetzter gezwungen gesehen beide Institutionen zunächst abzuziehen. Die Veranstaltung ist ja nicht verboten worden, was auch gar nicht möglich gewesen wäre. Aber ich muss ja nicht zwingend mit der Herangehensweise des Veranstaltungskonzeptes einverstanden sein. Und im Übrigen: Ich kenne keine unpolitische Wissenschaft und eine unpolitische Geschichtswissenschaft schon gar nicht.

Wenn so etwas wieder passieren sollte, wie wird dann der Sozialdemokrat Rüdiger Erben reagieren?

Hätte ich als Stiftungsratsvorsitzender das Veranstaltungskonzept frühzeitig bekommen, hätte ich vielleicht so reagieren können, dass noch eine Verständigung möglich gewesen wäre. Aber das Konzept war da und nicht einmal abgesegnet von STGS und LPB. Da musste ich einfach handeln. Die SPD stand dabei bemerkenswert geschlossen hinter mir.

Lieber Rüdiger. Besten Dank!

 

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