Das Schulsystem scheitert weiterhin an Durchlässigkeit und Integration

Veröffentlicht am 12.03.2012 in Schule und Bildung

„Chancenspiegel“ bescheinigt Sachsen-Anhalt Schulversagen in mehreren Bereichen.

Die Jusos Halle (Saale) fordern vom Land Sachsen-Anhalt mehr Anstrengungen im Bildungsbereich. „Statt die Regelschulen zu befähigen, der Vielfältigkeit der Kinder gerecht werden zu können, sortiert Sachsen-Anhalt weiter kräftig aus“, so Felix Peter, Vorsitzender der Jusos Halle (Saale). Unter anderem erhielt das Land in den Bereichen Integrationskraft und Durchlässigkeit, zentrale Indikatoren für Chancengerechtigkeit, negative Bewertungen. „Das ausgeprägte Förderschulwesen und die Mehrgliedrigkeit der Bildungslaufbahn erhalten so einmal mehr das Prädikat unzulänglich. Die Gemeinschaftsschule ist ein erster, wenn auch kleiner Schritt, diesem Trend entgegenzuwirken. Weitere notwendige Maßnahmen sind die Beendigung der Diskriminierung von Kindern arbeitsloser Eltern bei der Kinderbetreuung sowie ein flächendeckender Ausbau von Ganztagsangeboten an Schulen“, so Felix Peter weiter.

Sachsen-Anhalt hat einen der höchsten sonderpädagogischen Förderbedarfe in Deutschland und sortiert gleichzeitig die meisten entsprechenden Schülerinnen und Schüler auf gesonderte Schulformen aus. Dazu Felix Peter: „Die Quote an Schülerinnen und Schülern, die in Sachsen-Anhalt an Förderschulen unterrichtet werden, ist deutlich zu hoch. Viele dieser Kinder könnten auch in Regelschulen unterrichtet werden. Dafür fehlen in Sachsen-Anhalt allerdings noch flächendeckend entsprechende Voraussetzungen. Auch bei rückläufigen Schülerzahlen müssen vor allem mehr pädagogische Fachkräfte ins System, damit inklusiver Unterricht an den Regelschulen gewährleistet werden kann.“ Neben der übergroßen Auslese auf Förderschulen wird Sachsen-Anhalt zudem eine gravierende Sozialauswahl bescheinigt: Kinder aus sogenannten Akademikerfamilien haben immer noch deutlich bessere Chancen auf einen höherwertigen Schulabschluss als ihre Altersgenossen aus sogenannten Arbeiterhaushalten. „Unser gegliedertes Schulsystem fördert die Starken bzw. jene mit den besseren Startchancen und lässt die Schwachen oftmals zurück. Für letztere entsteht ein Teufelskreis, der im schlimmsten Fall zu Schulversagen und dauerhafter Arbeitslosigkeit führen kann. Längeres gemeinsames Lernen und Ganztagsangebote können dieses Problem nachweislich lösen. Sachsen-Anhalt sollte hier energischer vorangehen, bevor viele weitere Begabungen und Hoffnungen im System verloren gehen“, so Felix Peter abschließend. Hintergrund: In der aktuellen Bildungsstudie „Chancenspiegel: Zur Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Schulsysteme“, die von der Bertelsmann Stiftung und dem Institut für Schulentwicklungsforschung herausgegeben wurde, erhielt Sachsen-Anhalt als einziges deutsches Bundesland in gleich drei von vier Bereichen (darunter die Integrationskraft und die Durchlässigkeit des Systems) eine negative Bewertung. Die Bildungschancen sind hierzulande somit so schlecht wie in keinem anderen Bundesland.

 

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