Geschichte der Jusos in der SPD

Was sind 'Jusos'?

Die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten in der SPD (Jusos) ist die Vereinigung aller SPD-Mitglieder unter 35 Jahren. Damit scheinen die Jusos zunächst nur eine Arbeitsgemeinschaft neben anderen zu sein – eben jene, die sich den jungen Genossinnen und Genossen als Plattform zur Mitarbeit über den Ortsverein hinaus anbietet und spezifische Themen behandelt. Doch weit gefehlt! Die Jusos haben eine inzwischen schon recht lange, wechselvolle Geschichte aufzuweisen, einen Bundeskanzler (Gerhard Schröder), einige Minister und auch viele bunte Vögel hervorgebracht. Manche Historiker gehen sogar so weit, die Jusos als den treibenden Motor hinter der Dynamik der ersten Jahre der sozialliberalen Koalition (1969-1982) zu sehen. Viele damals aktive Jusos waren nämlich über die Studentenbewegung zur SPD gelangt. An die gute Tradition dieser Jahre (davor galten die Jusos als brave Parteijugend, die zum Üben für die „große“ Politik gedacht war, aber eigentlich nur zum Plakatkleben gebraucht wurde) möchten auch die Jusos des 21.Jahrhunderts gern anknüpfen. Ganz leicht ist das nicht: von ihren Erfolgen Anfang der 1970er Jahre beflügelt, übertrieben es die Jusos in den Jahren bis 1990 mit ihren sehr theorielastigen Debatten manches Mal doch arg und landeten nach einem Höhenrausch mit 300.000 Mitgliedern (1976) bald recht unsanft. Hinzu tritt der leidige und oft an alten Freund-Feind-Mustern orientierte Streit zwischen den drei Strömungen, die es bei den Jusos gibt – und der mitunter auf den (nicht minder überflüssigen) Konflikt zwischen „rechtem“ und „linkem“ Flügel reduziert wird.

 


 

Geschichte

Die Jusos in der SPD blicken auf eine fast hundertjährige, bewegte Geschichte zurück. Schon 1920 gegründet, aber bereits 1931 vom Parteivorstand aufgelöst, erfuhr die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten in der SPD 1946 ihre Wiederbelebung auf Dauer – zunächst als treue Parteijugend, die in Wahlkämpfen Plakate klebten und Stände betreuten, zunächst aber keinen innerparteilichen Machtfaktor darstellten und „an der kurzen Leine“ gehalten wurden. Unterstrichen wurde dies dadurch, dass der Juso-Vorsitzende vom Parteivorstand der SPD ernannt wurde und keineswegs die eigenständige Position inne hatte, die zum Beispiel heute der Juso-Bundesvorsitzenden Franziska Drohsel zukommt. Seine Begründung findet dieser Bedeutungswandel in Entwicklungen, die im legendären Juso-Bundeskongress 1969 in München kulminierten. Dort wurde beschlossen, die Jusos künftig als „sozialistischen Richtungsverband“ zu begreifen, der vormalige Bundesvorsitzende Peter Cortesier in der Wahl zum Vorsitzenden regelrecht gedemütigt und Karsten Voigt in seine Nachfolge gewählt. Im Nachklang der Studentenbewegung gewannen die Jusos rasch an Bedeutung: scharenweise, besonders im Umfeld der Bundestagswahl 1972 (für die das Wahlalter auf 18 Jahre gesenkt worden war), traten unter 35-Jährige der SPD bei und bescherten den Jusos in vielen Ortsvereinen Mehrheiten, die Möglichkeit, die älteren Genossen handstreichartig an die Wand zu drücken. Die zunächst ungewohnt frischen Positionen des „Richtungsverbandes“, die eine konsequente Demokratisierung der bundesdeutschen Gesellschaft einforderte und dem Feminismus zum Durchbruch zu weit gehender Gleichberechtigung verhelfen wollte, stagnierte nach einer Juso-Hochphase, die bis etwa 1973 angesetzt werden kann: Auf Bundeskongressen wurden nun mehr und mehr ausufernde Theoriedebatten geführt, die in weiten Kreisen für Unverständnis sorgten; mitunter musste sogar der Eindruck entstehen, Politik- und Soziologiestudenten hätten ihre Seminararbeiten zur Beschlussvorlage gebracht, weil der Professor an der Universität die Annahme derselben verweigert hatte. In diese Zeit fällt unter anderem auch die Ausrichtung der Jusos an der so genannten Doppelstrategie – der Versuch, als Jugendverband in der SPD, aber auch innerhalb der gesellschaftlichen „Linken“ Fuß zu fassen – und die Ausbildung der drei Flügel der „Refos“, „Stamokaps“ und Antirevisionisten. Und dennoch: seit den 1970er Jahren haben die Jusos nicht mehr den Ruf der treuen und abnickenden Parteijugend inne, sondern den eines aktiven, wenn auch manchmal unbequemen Jugendverbandes, der wegen seiner Mitgliederstärke nicht nur als Miniatur des Parteilebens und Schule für größere Aufgaben wahrnehmbar ist, sondern sehr konkret auch als Karrieresprungbrett in Frage kommen kann: mit Bundeskanzler a.D. Gerd Schröder, der Vize-Parteivorsitzenden Andrea Nahles, dem ehemaligen Generalsekretär Klaus Uwe Benneter und dem inzwischen schon verstorbenen Ex-Ministerpräsidenten von Hessen, Holger „Dachlatte“ Börner, sind prominente Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auch Bundesvorsitzende der Jusos gewesen.

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